Es begann alles auf dieser Bank. Das war schon etwas
surreal, in einer Stadt, in der sonst keine Bänke irgendwo stehen ausgerechnet
auf einer Parkbank für zwei Stunden zu schlafen. Aber da standen drei
Gestalten, die noch etwas unklar waren, ein Strohhut, die Reinigungskraft und
dann diese beiden in komischen blauen Polos – Gärtner. Ich setzte mich auf und
sagte einige Worte in ihrer Sprache, ich erinnerte mich kaum noch an etwas, schaute dann auf meine Tasche uns öffnete den Reisverschluss – ich war noch betrunken
– und fand eine halb leere Flasche „King Robert II. Vodka“. Warum muss man nur in bestimmten Fällen so geschmacklos werden, wenn man betrunken ist, für das zehnfache hätten
wir schließlich auch Grey Goose haben können. Aber so war nur eine weitere
Flasche eines namenlosen Fusels ins Land gegangen. Aber was sollten wir jetzt
machen, Heinrich setzte sich auch auf. Die Sonne schien mir ins Gesicht und ich
erblickte die Central Library, mein Kopf tat nicht besonders weh und ich
wusste, ich wusste genau, dass ich Wechselsachen in meinem Duffle-Bag hatte.
Die Tatsache, dass ich eine Cord-Hose trug, verschlimmerte das Ganze nur,
weil es den billigen Schatten einer mit Brokat bezogenen Parkbank imitierte –
aber das hier war ein öffentlicher Park. Am VLT Automaten zogen wir uns erst
einmal einen Aquarius – wir waren nun in der Lage zu gehen und einigermaßen zu
koordinieren, was jetzt folgen sollte. Ich rief Hans an, denn, jetzt fiel es
mir wieder ein, wir sollten doch bei Hans schlafen, nur deshalb waren wir aus
Central nach Causeway Bay gekommen, wir hatten den Danzka vom Flughafen noch
geleert, aber Hans war trotzdem nicht zu erreichen gewesen, aber nun müssten
wir ihn doch erreichen können. Ich hasse diese Leute, die iPad 2 und iPhone 4
besitzen, Praktika bei Private Equity Firmen machen, deshalb hierher kommen und
trotzdem nicht in der Lage sind sich an einfache Abmachungen zu halten und
ihren mobilen Fernsprecher abzunehmen, wenigstens den Anstand zu sagen: Sorry,
ich bin hier gerade beschäftigt mit einer halb-nackt kotzenden Kate, wenigstens
diesen Anstand sollte man haben, dann wären wir vielleicht auf die Idee
gekommen an einem sinnvolleren Ort zu schlafen. Aber ja, wir hatten auch noch
woanders geschlafen, wir waren zuerst in der Lobby eines Express by Holiday Inn,
obwohl diese Untaten ja gar keine Lobby haben – aber da der China Travel
Service mit in dem Gebäude residiert, gibt es dort einen Cola Automaten sowie
zwei Sofas. Diese Sofas genügten uns, bis wir freundlich daraufhin gewiesen
wurden, dass man hier nicht schlafen könne. Ich hatte dann die glorreiche Idee,
dass, wenn man tagsüber in der U-Bahn manchmal einschlafe, man doch auch Nachts
so richtig in der U-Bahn schlafen könnte. Doch meine Octopus-Karte war
inzwischen leer und so musste ich sie aufladen, aber da meine gesamte Barschaft
an den Beijing-Club übergegangen war, brauchte ich einen Geldautomaten. Jetzt
ist es aber so, dass es in Causeway Bay, in Times Square nähe kaum brauchbare
Automaten gibt. Ich suchte also rest-betrunken fast eine halbe Stunde lang einen
Bankautomaten und schaffte es dann noch 1000 Hong Kong Dollar abzuheben. Ich
ging dann zurück zur Station, Heinrich schlief sitzend an die Wand gelehnt,
alles von sich gestreckt, um meine Octopus Karte aufzuladen und dann konnte ich
endlich durch das Drehkreuz gehen. Allerdings hatten wir auf halbem Weg
zwischen der ersten und der zweiten Station unbändigen Durst. Diesen zu stillen
vermochte nur ein 7-11 oder OK. Deshalb stiegen wir in Tin-Hau aus und ich
trank über 1.5 Liter direkt in Form von Pocari Sweat und Purified Water, ich
bezahlte natürlich bargeldlos mit meiner Octopus Karte. Dann war es mir wohl
eingefallen: Victoria Park…
Es klingelte. Hans nahm dann auch ab. Wir besprachen
uns kurz, meine Stimme war gänzlich derangiert. Als Treffpunkt wurde die
Bibliothek ausgemacht, da nach könnten wir dann zu ihm gehen und noch ein wenig
schlafen, denn die Planung, weswegen wir auch am Vortag nichts gegessen hatten,
war ja, sich heute zum Sunday Brunch im Conrad Hotel, genau gesagt im
Nicholini’s zu bewegen, dem Restaurant, welches 18 Mal in Folge zum besten Hong
Kong’s gewählt worden war. Wir sollten kurz warten und ihn dann erblicken, den
Finnen. Da kommt er mit seiner MK-Brille und irgendeiner Tiger of Sweden Hose –
dazu dieser Blick den man nur haben kann, wenn man einfach die kollektive
Überlegenheit über 99 Prozent der Erdbevölkerung am Abend vorher deklariert hat
und darauf anstieß, demnächst absolut gewissensloser Investment-Banker zu
werden. Dann gehen wir zu seinem Serviced-Appartment. Alles mächtig klein und
kostet seinen Arbeitgeber trotzdem in etwa fünfmal ALG-II pro Monat – dafür
gibt’s dann schon eine Nasszelle, die zwar aussieht wie in einem Prozess
gegossen, aber der Wahnsinn ist eigentlich, dass es ein Fenster gibt, durch das
auch wirklich Licht hereinscheint. Kate lag noch in seinem Bett und sie hatte
in Kleid aus einfachem Jersey, aber keinen BH an und ich war plötzlich von Neid
erfasst. Dann trank ich 920 ml Aquarius und auch noch Wasser. Dann legten wir
uns zu viert in das Bett denn woanders konnte man dort nicht schlafen. Da so
auch niemand schlief, schaute ich mir Facebook auf Hans‘ iPad 2 an. Nach einer
Stunde wurde mir übel. Ich bin das ganze Wasser wieder auskotzen gegangen,
hatte aber nichts mit dem Alkohol zu tun, war einfach zu viel gewesen. Wir legten uns fest – wir wollten zu
Nicholini’s, denn wir hatten nicht umsonst den Aufwand um Reservierung und
Warteliste gemacht, doch Enttäuschung befiel mich partiell: Es wurde
tatsächlich diskutiert, ob man Champagner trinken würde, wobei ich mich
festlegte, dass ich trinken würde, denn der Brunch wäre sonst nicht das
Gleiche. Zwanzig Minuten vor unserer Reservierung sagte ich dann, wir müssten
jetzt doch schon mal los – und so verließen wir das Gebäude und das war scheiße, weil
ich keine Sonnenbrille dabei hatte, dabei war es so hell und ich fühlte mich
komisch. Wir stiegen in ein Taxi und fuhren zum Conrad Hotel, Kate hatte jetzt
wieder einen BH an, aber das half alles nichts, die Tatsache, dass Hans sein
iPhone nicht befummeln konnte, führte dazu, dass wir den Beijing Club verlassen hatten
und ohne Mädchen endeten.
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