Mittwoch, 16. Januar 2013

Im blauen Licht



Dann fiel die Lampe herunter. Einfach so. Glas zersplitterte auf dunklem Holz. Ich schaute zu und fragte mich warum für mich der Fall wie in Zeitlupe gekommen war, eng verwoben mit überreizten Sinneseindrücken, hellstem Lichtschein und intensivstem Splittergeräusch, wie die Explosion eines übersteigerten Sprengsatzes, der äußerlich keine Schäden hinterlässt, nur geladen mit unsichtbarer Gefahr. Slipper von Derek Rose überdeckt von Splittern, hin war das Floß, welches zur Überfahrt dienen sollte. Gefangen also auf dieser Insel starre ich auf einen Bildschirm, welcher immer wieder das gleiche Bild zeigt, transzendente Vision hervorrufend, bleibt die Wahrheit doch nur stehen im Präsenz, während die Zukunft schon längst zerflossen ist, als eine Art Jelly Teil der Vergangenheit wird und so trüb existiert, oder vielleicht auch nicht, wer weiß das schon. Ob sie überhaupt von der Lampe wusste? Wie sie sich zersetzt hatte, aufgelöste Form, kubistisch wieder zusammengesetzt auf dem Boden, vermischt mit einem Zahlenblock und vier weißen Stichen, gefeiert von einem gestickten R und als Spiegel den erweiterten Raum schaffend, der einzige Raum der existiert, eben weil er künstlich ist und beschränkt werden kann auf dieses kleine Stück. Vermutlich wusste sie nicht davon, gebettet in die Dekadenz zwischen Lassalle Special Club und Foie Gras füllte sie die scherbenlose Leere mit der Perfektion von Dingen die auch auf mich notwendig wirken. Wer heute noch die notwendigen Dinge als notwendig empfindet, der kann niemals Teil dieses Gedankenkomplexes sein. Wer zum Abend noch Brot ist, wer überhaupt am Mittag ist, ist doch nur ein Wesen, beschränkt von Mauern, akzeptiert nur in seinem natürlichen Habitat. Sie hat das immer abgelehnt, jedwede Grenzen, Ziel war immer die Essenz der Dinge, die pure Erscheinung zu isolieren, zu erkennen, in diesem kleinen Abschnitt die Apotheose der Sinne zu vollziehen um dann alles neu zu synthetisieren, unerwartet, als Schlag gegen die Konformität der Rezeption. Ich ging hinaus, über die Scherben in den Flur. Dann nahm ich schwarze Permanent-Marker-Stifte und schrieb, immer leicht abrutschend mit der Spitze, ganz viele Markennamen, völlig egal was genau, einfach so versus-Paare: Vuitton vs. Kik, Dior vs. Takko fashion, Dries van Noten vs. Camp David, Diskrepanzen wie gemacht zum Kotzen. Der Unterschied war einfach so groß, dass einem wirklich schlecht wurde. Ihr wäre auch schlecht geworden. Habe dann noch so wahnsinnig sinnlose Gedichte daneben geschrieben, einfachste Vierzeiler mit Paar- und Kreuzreimen, scheinbar provokativ alles, aber war eher so als Gegenstück zu scheinheiligen Öko-Demos gedacht, alles nur theoretisch, gedacht nur, um der Gedanken Liebe. Diese Art des hedonistischen Vanitas ist das Motiv. Am Ende ist ja alles vergänglich und ich lande vielleicht im Sanatorium weil ich so dahin treibe auf der Oberfläche meines Bewusstseins, Kopf nach unten. Mein Bewusstsein ist schön: eine Bucht mit Hainetzen, warm und mit herrlichen Gebäuden im Hintergrund. Am Strand gibt es Strandhütten und Eiskonfekt auf Etageren. Dazu wird sehr viel Krug gereicht und die Menschen tragen alle so perfekte Orlebar Brown Bademode. Es spielt ein Orchester unter einem Zelt non-Stop den Ring der Nibelungen, sie tragen dabei bedruckte Marc Jacobs Badehosen, auch die Frauen und dazu Malo Cashmere Sweater, was gewaltsam klingt, aber irgendwie sehr friedlich und gewohnt wirkt. Das Zelt ist offen, aber trotzdem aufwändig klimatisiert. Zum Krug in den Strandhütten wird Thunfisch-Tartar gereicht mit Lemongrass und Koriander. Die Menschen essen dieses mit Essstäbchen aus Mahagoni, verziert mit Perlmutt Intarsien. Aber ich schwimme den Kopf nach unten oder treibe einfach. Sie hat mir ihr Bewusstsein einfach immer als Fabergé-Ei beschrieben. Das hatte mir immer gereicht. Jetzt hätte ich gerne mehr gewusst. Ich lag in einem von außen aus bestickter Seide bestehendem, innen mit Kaninchenfell gefüttertem Shanghai Tang Schlafsack im Flur und schaute auf das Gekritzel. Neben mir Stand eine Flasche Highland Park. Sie trank jetzt wohl nicht, und wenn dann einen Duke Tonic. Ich sah das Ei auf mich zufallen, aber es war zu spät, es fiel unaufhaltsam. Draußen war es nun auch Nacht.

Dienstag, 6. März 2012

Schnellrestaurant

Es scheint an diesem Ort so, als wenn die Menschen Ton in Ton, fast gleichgeschaltet, mit ihrer abiotischen Umgebung korrespondieren. Keine Widersprüche sind sichtbar, außer vielleicht der ehemalige Glanz der historischen Bauten, deren Patina aber nur der Staub des Alten bleibt, auch die Kleidung der Menschen scheint zu passen in dieses Bild, wie determiniert, ein dreidimensionales Malen nach Zahlen. An den historischen Mauern sind sie zu sehen, die Schilder der Schnellrestaurants - Burgerking, McDonald's, KFC. Nun stehen die Menschen dort in ihrer uniformen Individualität, denn die Tageszeitung enthielt Rabattmarken. Fast konditioniert zieht es sie dorthin, die Kinder nach der Schule, die Eltern nach der Arbeit, sie fliegen dorthin und lösen das Papierstück gegen einen gratis Big Mac, Whopper oder Zinger ein, die Rabattmarken werden damit zu ihrer Währung. Stellvertretung eines Wertes, denn das Restaurant verspricht, dass diese durch die Burger und andere Produkte abgesichert wird. Fast kehren sie so zurück in Kriegszeiten, die lassen sich regeln, sie sind die homogene Masse.
Vor dem Gebäude stürzt eine Frau über die Füße eines Jungen, der dort wartet. Sie fällt. Ihre Brille fällt. Der Junge entschuldigt sich. Sie schaute den Schaden an ihrer Brille an. Aber ich finde das macht nichts, ihre Brille war schrecklich.

Montag, 5. März 2012

Teleskopgriff

Der Rucksack hat ein Teleskopgriff. Nicht nur die Kinder von Ökoterroristen sondern auch der gemeine deutsche Jugendliche verlässt sich nun also auf Rucksäcke mit Rollen und Teleskopgriffen. Diese Backpacker waren tatsächlich so weit gegangen ernsthaft nicht einmal mehr ihre eigene Klassifizierung zu bewahren, sie traten also nicht nur das Reisen als Phänomen des 20. Jahrhunderts mit Füßen, sondern verhöhnten ihre eigene Orientierungslosigkeit auch noch, ihr Schuhe Ausziehen und Hinlegen auf die freien Sitze war genauso eine verblasste Reminiszenz an die Erste-Klasse-Sitze der neuen A380 First Class Kabinen wie ihre Rucksäcke mit Teleskopgriffen die verkümmerten Kopien von Rimowa Cabin Size Gepäck. Die Pseudoideologie des Backpackers müsste in der Endkonsequenz zu Damier Graphite führen, stattdessen endet die Liebe der eigenen Anspruchslosigkeit in diesem Rucksack auf Rollen - ein Derivat des Scheiterns, sie sind damit die Parasiten, die alles zersetzen. Ihre Gleichgültigkeit frisst uns auf, so, wie sie eine morbide Faszination für abgelaufene Dosenerbsen induzieren und diese angebliche Postkonsumption ist doch nur eine Erscheinung der Abhängigkeit, monotoner Uniformität ohne Ziel, wir müssen sie überwinden denn sie stellen nichts dar, sie sind die Illusion auf der Straße, welche diese so trostlos werden lässt.

So lag er in einer Mini-Suite, gedämpft die Vierstrahlmaschine belauschend. Eine Krankenschwester, ihre Maße schienen perfekt, sie trug einen weißen Seidenkimono Morgenmantel von Agent Provocateur, brachte Champagner - er trug eine lange weiße Hose aus einem Kaschmir-Seide-Baumwolle Blend. Sie goß das Grande Cuvee über seinen Kopf, setzte sie auf sein Gesäß und blickte, ja starrte ihn an, offensiv, unausweichlich, die Konfrontation. Sie nahm noch mehr Grande Cuvee und übergoss ihn weiter, nahm nun einige Schluckee und übergoss sich selbst, aber das Gewand verfärbte sich nicht. Sie lag dann neben ihm und sie übergoss sie beide weiter, die Flasche war nun leer. Er schloss einen Arm um ihre Schultern und sah danach kurz ein weißes Licht aufblitzen, als wäre das Leselicht plötzlich vielfach zu stark in seiner primitiv linearen Leuchtkraft und den Gang runter, aus der Economy Class schwebend, kamen die Backpacker, sie trugen Damir Doma Infinity Jackets und sie lachten. Er spürte etwas an seinem Arm herunter fließen und es war Blut. Die Krankenschwester regte sich nicht mehr, er schlug die Flasche gegen den Sitz und trat in den Gang, jenen, in ihren schwarzen Roben und den Walter van Beirendonck Leggins entgegen, so stand er da in seiner blutrot verfärbten Hose und einem blutüberströmten Oberkörper. Er rammte die Flasche in die asketische Wampe des Backpackers, der brach zusammen, sich mit lautem Lachen entblößend, die Brust offenbarend, gebrandmarkt mit double-happiness-Symbolen, ein heißes Eisenwerkzeug in einer Gasse in Shenzen, entzündetes Fleisch, offene Wunde, die Glassplitter ließen den Eindringling ausbluten. Er saß dann dort und das Flugzeug flog weiter. Eine Stewardess kam und sagte es stehen noch ein Sitz für ihn bereit, sie kümmere sich darum, dabei blickte sie auf die verrrängte, reglose Gestalt.
"Wie konnte dieses Individuum überhaupt den Class Divider überwinden?"
"Darf ich Ihnen noch etwas bringen? Noch Grande Cuvee?"
"Wann werden wir landen?"
"Gegen 10:00 Uhr"
Ich sah um zehn auf die Uhr und wir flogen noch immer, auf dem Bildschirm wählte ich Musik, "Moonage Daydream". Der Gang war frei, ich wollte im Bordshop Bose QuietComfort kaufen. Die Backpacker waren verräumt. Die Krankenschwester wohl auch.

Inter City Avantgarde Noir

Und wieder saß mir so einer gegenüber. Vollständig in Schwarz, Pullover, 80 Prozent Baumwolle, anscheinend Mega-Kurzstapel, 20 Prozent Acryl oder sowas...etwas hellere schwarze Hose. Ausgewaschen. Er war tatsächlich der Bodensatz einer Parodie eines Rick Owens Mannequins, seine Schuhe waren jedoch braun und sollten im Laden einen soliden Eindruck machen. Dies entlarvte ihn als verunfallte Zufalls-Anspielung. Mit dem Schulterreisverschluss und dem blond-lockigen Vokuhila, dem sich deutlich abzeichnenden Doppelkinn, schien er Prototyp einer Ziellosigkeit zu sein. Reagieren, nicht agieren und obwohl Schienen nur bis zu einem Prellbock steuern, war er noch signifikanterer Teil des Inventars als der Fleece-Pullover der Zugebegleiter, die wiederum wie eine resignierende Gruppe von Menschen wirkten, als hätten sie sich vor zwanzig Jahren zusammen gefunden, einen Zug gemietet und seit dem fahren sie, Lion-Maxi-Riegel verkaufend durchs Land, sie sind institutionalisierte Backpacker und der Assi ist ihre raison d'être, notwendig, unausweichlich, ohne ihn sind sie ein Geisterzug, dass er liest heißt nur eines: Sie dürfen weiterfahren.

Dienstag, 28. Februar 2012

Nicholini's - II


Ich wachte auf. Ein Hochbett aus Holzlatten zusammen gezimmert. Das Fenster war vergittert mit einem Carbon-Mangesium-Gemisch. Die Wände bestanden aus Baumwollvorhängen, auf ihnen waren witzige Kindermuster aufgedruckt. Ich blickte an mir herunter und sah auf die Bettwäsche: Ronald McDonald grinste mir entgegen und er schien die dunkle Erinnerung zu sein. Dann blickte ich auf meinen Cardholder, in goldenen Lettern stand darauf geschrieben: „Rich girls don’t marry poor boys.“ – es steckte ein Egg McMuffin Gutschein dahinter. Waren wir nun dagewesen? Ich nahm dann Magentropfen, es war heiß, die Sonne unsichtbar, wir saßen in einem Gewächshaus. Dieses Gewächshaus überspannte alles, das einzige Entkommen waren die Shopping Malls, denn in ihnen herrschte ein anderes Lokalklima, kühl, es brachte einen dazu, gleichzeitig Orlebar Brown Setter und Bottega Veneta Sweater kaufen zu wollen, die perfekte Symbiose, der einzige sichere Ort.  Wir waren in einem McDonalds gewesen. Heinrich und ich waren zu einem Supermarkt gegangen, aus Causeway Bay, Richtung Victoria Park, denn die Danzka Literflasche war leer gewesen und ich konnte mich zwar kaum noch an den Weg erinnern, doch das Verlangen nach mehr hatte den Coulombschen Würgreiz getunnelt, 200 Meter vom Fashion Walk, wir waren also direkt in die Katastrophe gerannt. King Robert II. wurde mit CC Lemon gemischt und ich zahlte den Egg McMuffin, anscheinend mit Kreditkarte, was ich sehr witzig gefunden hatte. Dann ließ ich die Kreditkarte am Schalter, wie Hermann damals im Club, als die nur Cash wollten, dann ging ich kotzen, wie weiß ich nicht mehr, ich muss dort gehangen und gekotzt haben. Aber komischerweise kehrt man betrunken immer zu diesen Juso-Magneten zurück, man geht zu McDonalds, man will Indie-Clubs stürmen und fragt sich dann, was man dort eigentlich soll. Aber man kauft dann einfach noch einmal einen Old-Fashioned, was diese Drecksläden da manchmal zusammenschütten, und irgendwie will man die Klassengesellschaft auch und man will sie, die Ellbogen, denn graue Masse ist Durchschnitt. Es war ein Wunder, denn nüchtern verlor ich meine Patek Philippe, in einem Taxi, einfach so, ich war in Eile. Aber mit Krug verlor ich nichts, meine Kreditkarten waren stets noch da und auch die Zimmerli Unterwäsche. Aber was soll man sich beschweren, denn am Ende und das muss jedem klar sein, wache ich nur auf, weil ich am Nachmittag zu Bett gegangen bin, denn wir haben alles gegeben und so konnte ich den Perrier-Jouet Brunch im W im letzten Moment noch absagen, denn unser Wartelistenplatz im Nicholini’s hatte uns nach oben gebracht. Ins Conrad. Wir waren nicht mehr gezwungen Pinot Noir lastig zu verrecken, sondern konnten endlich anstoßen, darauf, dass keiner Hunger hatte und das wir gekommen waren, die Reservierung wahrzunehmen. Louis Roederer wurde ausgeschenkt, leider gab es keine Upgrade Möglichkeit, denn Krug hätte uns besser getan, aber Free Flow war Free Flow. Wir waren also dort gewesen. Kate in ihrem BH und einem Oberteil, sie hatte erst kaum etwas gegessen, ich begann mit Cesar Salad und Sashimi, nur um zu registrieren, dass Hans sich etwas angeeignet hatte, was ich vor langer Zeit als zentrales Element meiner Persönlichkeit präsentiert hatte: Ich beginne jeden Abend mit einem Gin Tonic. Er sprach nun davon und seine Unsicherheit wurde immer deutlicher und wie fahrig er sich auf die Standards gestützt hatte, doch nun hatten wir die gleiche Tom Ford Brille und so waren diese Gedanken alle sekundär, er würde sowieso nie wieder reagieren, auf irgendeine Nachricht, denn sein Inferioritätskomplex schien sich in den zwei Magnumflaschen zu begründen, die ich zu mir nahm, denn ich hatte Durst. Dankend nahm ich die Aspirin und die Zeit blieb stehen in diesem Restaurant, 18 Mal in Folge das beste italienische der Stadt. Ich wünschte nur bis zum zweiten Schluck, nüchtern gewesen zu sein, denn Roederer zählt eigentlich nicht, es handelt sich um den neuen Orangensaft und Heinrich berichtete mir, wie glücklich er gewesen war, ihn auf der Rechnung zu haben, auch wenn er nichts getrunken hatte, denn es bedeutete eine neue Geschichte, etwas zu berichten in die Uniformität der Sozial-Monotonie und der Verständnis-Exzesse, Polarisierung, Provokation, alles schien so erfüllt, aber danach, danach kam nur das Erwachen hier und es war dunkel und das Wasser kam aus der Leitung und ich hatte keinen Kohlefilter mehr und ich konnte nicht mehr wählen und meine Sim-Karte war nicht mehr funktionsfähig und so nahm ich Aspirin-Pulver und schluckte es schnell, so wie früher die Ahoi-Brause.   Ich rannte herunter. Auf die Straße, zu einem 7-11, ich kaufte noch einen großen Pocari und zwei Packungen HI-Chew, Apfel-Geschmack. Wir hatten von 11 bis 15 Uhr gebraucht, dann wurde abgebaut und wir gingen. Am Anfang hatte Hans noch nach dem Upper House am Nicholinis Empfang gefragt, dann sagte ich ihm „Dude, we wanna go Nicholini’s“. Er war also noch betrunken gewesen, aber wie konnte er nur, wie konnte er nur essen, wieso hatte Kate, von dem Lanson Sparkling Juice animiert, plötzlich immer mehr halbe Hummer geholt. Ich trank zum Schluss, Roederer, Oolong, Schokolade, Saft und Wasser. Wir zahlten dann und waren begeistert, mit der Service Charge war es im Grunde, als wenn man als Familienvater zum Italiener geht, nur ohne die Kinder und die Italiener. Mein Cardholder war noch gefüllt und so stieg ich in ein Taxi und wir fuhren an und ich wusste, dass wir bald aufbrechen würden und einen Tag später saßen wir im Café Landmark und schauten auf all die Touristen und dann begannen wir klein gerollte Stücken des Tod’s Verpackungspapiers auf sie zu schmeißen, genau 133 mal.
Es war nach dem Beijing Club Exit gewesen. Kate und Hans wurde herausgebeten. Heinrich und ich blieben noch. Aber nach zwei Belvedere Tonic, weiteren Belvedere Tonic, und der Tatsache das Vancouver-Hong-Kong bereits vergeben war, gingen wir und fuhren nach Causeway Bay. Doch vorher standen wir noch vor einem 7-11 und tranken Pocari und da fingen zwei an zu reden mit uns und wir redeten und wir redeten und sie boten uns Häagen-Dasz an und ich holte den Rest Danzka raus und wir tranken und gingen los, warum war eigentlich egal, 200m, an der Straßenecke, direkt vor Longchamp, küsste wir die beiden, jeweils einzeln, und das volle Programm, wir wollten irgendwohin fahren, doch sie mussten auf Toilette und ich schlug den McDonalds vor, als sie wiederkamen von den Toiletten, blieben sie bei den Australiern, diese wurden wütend, wir brüllten auf Kantonesisch und fuhren nach Causeway Bay. Sie kamen aus Malaysia, aber das war uns nun egal, denn sie waren nur eine Randerscheinung. Wir mussten noch nach Causeway Bay. Wir hatten eine Reservierung im Nicholini’s.

Dienstag, 14. Februar 2012

Kiel Hauptbahnhof

She must have been like a delicate flower sometime long ago. I am not saying that all of it has faded, otherwise I would not have thought of a flower. But her hair seemed weak, gravitating towards nowhere, nothing but gravity on display. The colour seemed not to be the kind that, even when it was illuminated by the most beautiful light shining through the window, piece by piece, reveals itself in a subtle expression, but more like a hollow, translucent vessel that needed paint for too long. Yet her face was not even unfavourable from the base of its logic, it was rather symmetric and could have been a thoroughly aesthetic sparkle. But with her head moving forward and her words seeming to come from the neck, not from the transcendence of her experience, it all collapsed. It collapsed like the tower made of wooden bricks. So I saw the vulnerable landscape passing by.

Inter City Ultrabook

In der Scheibe spiegelte sich das Innere des Waggons. Jemand arbeitete. Pullover mit Reißverschluss, er arbeitet zwar, aber bezahlt sein ultrabook selbst. Ein anderer liest - er blickt nicht auf, er scheint seinen Kopf noch zu bewegen. Ansonsten ist der Waggon leer. Das regelmäßige Muster der Sitze, ein verblichenes Miniatur-Karo fordert die Resonanz heraus. Alles wird hier verstärkt. Er arbeitet intensiver. Er liest vertiefter. Der Waggon ist leerer. Der Arbeiter trägt das Haar in einer Welle nach hinten, er könnte der Archetyp des segelnden Hanseaten sein. Aber sein Pullover ist Orange, aus Baumwolle, mit kleinen Canvas Aufnähern an wichtigen Nähten. Sein Kragen ist weder weiß noch blau, er leuchtet und steht, er schreit nach Aufmerksamkeit, die keine ist. Diese alte Aktentasche bleibt nicht unbemerkt. Ein regelmäßiges Muster der unregelmäßigen Abnutzung, erinnert an das Bottega Veneta Flechtmuster, aber nur eindimensional. Eingetragen, abgearbeitet, passt sie doch zu diesem verblichenen Rosa, wie es nur fast schon ausrangierte Fernzüge erscheinen lassen können. Die elektronische Reservierungsanzeige ist nur das retardierende Moment einer Generation von Zügen, deren Privilegien doch längst vom HON-Circle aufgesaugt wurde. Stück für Stück vergossen der Glanz, wie das Urin, welches auf die Schienen tropft, während der Fahrt ohne Spitzen, immer der gleiche Weg auf der Schiene. Der Zug fährt weiter, er hat sich noch nicht amortisiert.