Es scheint an diesem Ort so, als wenn die Menschen Ton in Ton, fast gleichgeschaltet, mit ihrer abiotischen Umgebung korrespondieren. Keine Widersprüche sind sichtbar, außer vielleicht der ehemalige Glanz der historischen Bauten, deren Patina aber nur der Staub des Alten bleibt, auch die Kleidung der Menschen scheint zu passen in dieses Bild, wie determiniert, ein dreidimensionales Malen nach Zahlen. An den historischen Mauern sind sie zu sehen, die Schilder der Schnellrestaurants - Burgerking, McDonald's, KFC. Nun stehen die Menschen dort in ihrer uniformen Individualität, denn die Tageszeitung enthielt Rabattmarken. Fast konditioniert zieht es sie dorthin, die Kinder nach der Schule, die Eltern nach der Arbeit, sie fliegen dorthin und lösen das Papierstück gegen einen gratis Big Mac, Whopper oder Zinger ein, die Rabattmarken werden damit zu ihrer Währung. Stellvertretung eines Wertes, denn das Restaurant verspricht, dass diese durch die Burger und andere Produkte abgesichert wird. Fast kehren sie so zurück in Kriegszeiten, die lassen sich regeln, sie sind die homogene Masse.
Vor dem Gebäude stürzt eine Frau über die Füße eines Jungen, der dort wartet. Sie fällt. Ihre Brille fällt. Der Junge entschuldigt sich. Sie schaute den Schaden an ihrer Brille an. Aber ich finde das macht nichts, ihre Brille war schrecklich.
Alle Figuren und Ereignisse in diesem Blog sind fiktiv. Sämtliche Ähnlichkeiten zu real existierenden Personen sind rein zufällig bedingt.
Dienstag, 6. März 2012
Montag, 5. März 2012
Teleskopgriff
Der Rucksack hat ein Teleskopgriff. Nicht nur die Kinder von Ökoterroristen sondern auch der gemeine deutsche Jugendliche verlässt sich nun also auf Rucksäcke mit Rollen und Teleskopgriffen. Diese Backpacker waren tatsächlich so weit gegangen ernsthaft nicht einmal mehr ihre eigene Klassifizierung zu bewahren, sie traten also nicht nur das Reisen als Phänomen des 20. Jahrhunderts mit Füßen, sondern verhöhnten ihre eigene Orientierungslosigkeit auch noch, ihr Schuhe Ausziehen und Hinlegen auf die freien Sitze war genauso eine verblasste Reminiszenz an die Erste-Klasse-Sitze der neuen A380 First Class Kabinen wie ihre Rucksäcke mit Teleskopgriffen die verkümmerten Kopien von Rimowa Cabin Size Gepäck. Die Pseudoideologie des Backpackers müsste in der Endkonsequenz zu Damier Graphite führen, stattdessen endet die Liebe der eigenen Anspruchslosigkeit in diesem Rucksack auf Rollen - ein Derivat des Scheiterns, sie sind damit die Parasiten, die alles zersetzen. Ihre Gleichgültigkeit frisst uns auf, so, wie sie eine morbide Faszination für abgelaufene Dosenerbsen induzieren und diese angebliche Postkonsumption ist doch nur eine Erscheinung der Abhängigkeit, monotoner Uniformität ohne Ziel, wir müssen sie überwinden denn sie stellen nichts dar, sie sind die Illusion auf der Straße, welche diese so trostlos werden lässt.
So lag er in einer Mini-Suite, gedämpft die Vierstrahlmaschine belauschend. Eine Krankenschwester, ihre Maße schienen perfekt, sie trug einen weißen Seidenkimono Morgenmantel von Agent Provocateur, brachte Champagner - er trug eine lange weiße Hose aus einem Kaschmir-Seide-Baumwolle Blend. Sie goß das Grande Cuvee über seinen Kopf, setzte sie auf sein Gesäß und blickte, ja starrte ihn an, offensiv, unausweichlich, die Konfrontation. Sie nahm noch mehr Grande Cuvee und übergoss ihn weiter, nahm nun einige Schluckee und übergoss sich selbst, aber das Gewand verfärbte sich nicht. Sie lag dann neben ihm und sie übergoss sie beide weiter, die Flasche war nun leer. Er schloss einen Arm um ihre Schultern und sah danach kurz ein weißes Licht aufblitzen, als wäre das Leselicht plötzlich vielfach zu stark in seiner primitiv linearen Leuchtkraft und den Gang runter, aus der Economy Class schwebend, kamen die Backpacker, sie trugen Damir Doma Infinity Jackets und sie lachten. Er spürte etwas an seinem Arm herunter fließen und es war Blut. Die Krankenschwester regte sich nicht mehr, er schlug die Flasche gegen den Sitz und trat in den Gang, jenen, in ihren schwarzen Roben und den Walter van Beirendonck Leggins entgegen, so stand er da in seiner blutrot verfärbten Hose und einem blutüberströmten Oberkörper. Er rammte die Flasche in die asketische Wampe des Backpackers, der brach zusammen, sich mit lautem Lachen entblößend, die Brust offenbarend, gebrandmarkt mit double-happiness-Symbolen, ein heißes Eisenwerkzeug in einer Gasse in Shenzen, entzündetes Fleisch, offene Wunde, die Glassplitter ließen den Eindringling ausbluten. Er saß dann dort und das Flugzeug flog weiter. Eine Stewardess kam und sagte es stehen noch ein Sitz für ihn bereit, sie kümmere sich darum, dabei blickte sie auf die verrrängte, reglose Gestalt.
"Wie konnte dieses Individuum überhaupt den Class Divider überwinden?"
"Darf ich Ihnen noch etwas bringen? Noch Grande Cuvee?"
"Wann werden wir landen?"
"Gegen 10:00 Uhr"
Ich sah um zehn auf die Uhr und wir flogen noch immer, auf dem Bildschirm wählte ich Musik, "Moonage Daydream". Der Gang war frei, ich wollte im Bordshop Bose QuietComfort kaufen. Die Backpacker waren verräumt. Die Krankenschwester wohl auch.
So lag er in einer Mini-Suite, gedämpft die Vierstrahlmaschine belauschend. Eine Krankenschwester, ihre Maße schienen perfekt, sie trug einen weißen Seidenkimono Morgenmantel von Agent Provocateur, brachte Champagner - er trug eine lange weiße Hose aus einem Kaschmir-Seide-Baumwolle Blend. Sie goß das Grande Cuvee über seinen Kopf, setzte sie auf sein Gesäß und blickte, ja starrte ihn an, offensiv, unausweichlich, die Konfrontation. Sie nahm noch mehr Grande Cuvee und übergoss ihn weiter, nahm nun einige Schluckee und übergoss sich selbst, aber das Gewand verfärbte sich nicht. Sie lag dann neben ihm und sie übergoss sie beide weiter, die Flasche war nun leer. Er schloss einen Arm um ihre Schultern und sah danach kurz ein weißes Licht aufblitzen, als wäre das Leselicht plötzlich vielfach zu stark in seiner primitiv linearen Leuchtkraft und den Gang runter, aus der Economy Class schwebend, kamen die Backpacker, sie trugen Damir Doma Infinity Jackets und sie lachten. Er spürte etwas an seinem Arm herunter fließen und es war Blut. Die Krankenschwester regte sich nicht mehr, er schlug die Flasche gegen den Sitz und trat in den Gang, jenen, in ihren schwarzen Roben und den Walter van Beirendonck Leggins entgegen, so stand er da in seiner blutrot verfärbten Hose und einem blutüberströmten Oberkörper. Er rammte die Flasche in die asketische Wampe des Backpackers, der brach zusammen, sich mit lautem Lachen entblößend, die Brust offenbarend, gebrandmarkt mit double-happiness-Symbolen, ein heißes Eisenwerkzeug in einer Gasse in Shenzen, entzündetes Fleisch, offene Wunde, die Glassplitter ließen den Eindringling ausbluten. Er saß dann dort und das Flugzeug flog weiter. Eine Stewardess kam und sagte es stehen noch ein Sitz für ihn bereit, sie kümmere sich darum, dabei blickte sie auf die verrrängte, reglose Gestalt.
"Wie konnte dieses Individuum überhaupt den Class Divider überwinden?"
"Darf ich Ihnen noch etwas bringen? Noch Grande Cuvee?"
"Wann werden wir landen?"
"Gegen 10:00 Uhr"
Ich sah um zehn auf die Uhr und wir flogen noch immer, auf dem Bildschirm wählte ich Musik, "Moonage Daydream". Der Gang war frei, ich wollte im Bordshop Bose QuietComfort kaufen. Die Backpacker waren verräumt. Die Krankenschwester wohl auch.
Inter City Avantgarde Noir
Und wieder saß mir so einer gegenüber. Vollständig in Schwarz, Pullover, 80 Prozent Baumwolle, anscheinend Mega-Kurzstapel, 20 Prozent Acryl oder sowas...etwas hellere schwarze Hose. Ausgewaschen. Er war tatsächlich der Bodensatz einer Parodie eines Rick Owens Mannequins, seine Schuhe waren jedoch braun und sollten im Laden einen soliden Eindruck machen. Dies entlarvte ihn als verunfallte Zufalls-Anspielung. Mit dem Schulterreisverschluss und dem blond-lockigen Vokuhila, dem sich deutlich abzeichnenden Doppelkinn, schien er Prototyp einer Ziellosigkeit zu sein. Reagieren, nicht agieren und obwohl Schienen nur bis zu einem Prellbock steuern, war er noch signifikanterer Teil des Inventars als der Fleece-Pullover der Zugebegleiter, die wiederum wie eine resignierende Gruppe von Menschen wirkten, als hätten sie sich vor zwanzig Jahren zusammen gefunden, einen Zug gemietet und seit dem fahren sie, Lion-Maxi-Riegel verkaufend durchs Land, sie sind institutionalisierte Backpacker und der Assi ist ihre raison d'être, notwendig, unausweichlich, ohne ihn sind sie ein Geisterzug, dass er liest heißt nur eines: Sie dürfen weiterfahren.
Dienstag, 28. Februar 2012
Nicholini's - II
Ich wachte auf. Ein Hochbett aus Holzlatten zusammen
gezimmert. Das Fenster war vergittert mit einem Carbon-Mangesium-Gemisch. Die
Wände bestanden aus Baumwollvorhängen, auf ihnen waren witzige Kindermuster
aufgedruckt. Ich blickte an mir herunter und sah auf die Bettwäsche: Ronald
McDonald grinste mir entgegen und er schien die dunkle Erinnerung zu sein. Dann
blickte ich auf meinen Cardholder, in goldenen Lettern stand darauf
geschrieben: „Rich girls don’t marry poor boys.“ – es steckte ein Egg McMuffin
Gutschein dahinter. Waren wir nun dagewesen? Ich nahm dann Magentropfen, es war
heiß, die Sonne unsichtbar, wir saßen in einem Gewächshaus. Dieses Gewächshaus
überspannte alles, das einzige Entkommen waren die Shopping Malls, denn in
ihnen herrschte ein anderes Lokalklima, kühl, es brachte einen dazu,
gleichzeitig Orlebar Brown Setter und Bottega Veneta Sweater kaufen zu wollen,
die perfekte Symbiose, der einzige sichere Ort.
Wir waren in einem McDonalds gewesen. Heinrich und ich waren zu einem
Supermarkt gegangen, aus Causeway Bay, Richtung Victoria Park, denn die Danzka Literflasche
war leer gewesen und ich konnte mich zwar kaum noch an den Weg erinnern, doch
das Verlangen nach mehr hatte den Coulombschen Würgreiz getunnelt, 200 Meter
vom Fashion Walk, wir waren also direkt in die Katastrophe gerannt. King Robert
II. wurde mit CC Lemon gemischt und ich zahlte den Egg McMuffin, anscheinend
mit Kreditkarte, was ich sehr witzig gefunden hatte. Dann ließ ich die
Kreditkarte am Schalter, wie Hermann damals im Club, als die nur Cash wollten,
dann ging ich kotzen, wie weiß ich nicht mehr, ich muss dort gehangen und
gekotzt haben. Aber komischerweise kehrt man betrunken immer zu diesen
Juso-Magneten zurück, man geht zu McDonalds, man will Indie-Clubs stürmen und
fragt sich dann, was man dort eigentlich soll. Aber man kauft dann einfach noch
einmal einen Old-Fashioned, was diese Drecksläden da manchmal zusammenschütten,
und irgendwie will man die Klassengesellschaft auch und man will sie, die
Ellbogen, denn graue Masse ist Durchschnitt. Es war ein Wunder, denn nüchtern
verlor ich meine Patek Philippe, in einem Taxi, einfach so, ich war in Eile.
Aber mit Krug verlor ich nichts, meine Kreditkarten waren stets noch da und
auch die Zimmerli Unterwäsche. Aber was soll man sich beschweren, denn am Ende
und das muss jedem klar sein, wache ich nur auf, weil ich am Nachmittag zu Bett
gegangen bin, denn wir haben alles gegeben und so konnte ich den Perrier-Jouet
Brunch im W im letzten Moment noch absagen, denn unser Wartelistenplatz im
Nicholini’s hatte uns nach oben gebracht. Ins Conrad. Wir waren nicht mehr
gezwungen Pinot Noir lastig zu verrecken, sondern konnten endlich anstoßen,
darauf, dass keiner Hunger hatte und das wir gekommen waren, die Reservierung
wahrzunehmen. Louis Roederer wurde ausgeschenkt, leider gab es keine Upgrade
Möglichkeit, denn Krug hätte uns besser getan, aber Free Flow war Free Flow. Wir
waren also dort gewesen. Kate in ihrem BH und einem Oberteil, sie hatte erst
kaum etwas gegessen, ich begann mit Cesar Salad und Sashimi, nur um zu
registrieren, dass Hans sich etwas angeeignet hatte, was ich vor langer Zeit
als zentrales Element meiner Persönlichkeit präsentiert hatte: Ich beginne
jeden Abend mit einem Gin Tonic. Er sprach nun davon und seine Unsicherheit
wurde immer deutlicher und wie fahrig er sich auf die Standards gestützt hatte,
doch nun hatten wir die gleiche Tom Ford Brille und so waren diese Gedanken
alle sekundär, er würde sowieso nie wieder reagieren, auf irgendeine Nachricht,
denn sein Inferioritätskomplex schien sich in den zwei Magnumflaschen zu
begründen, die ich zu mir nahm, denn ich hatte Durst. Dankend nahm ich die
Aspirin und die Zeit blieb stehen in diesem Restaurant, 18 Mal in Folge das
beste italienische der Stadt. Ich wünschte nur bis zum zweiten Schluck,
nüchtern gewesen zu sein, denn Roederer zählt eigentlich nicht, es handelt sich
um den neuen Orangensaft und Heinrich berichtete mir, wie glücklich er gewesen
war, ihn auf der Rechnung zu haben, auch wenn er nichts getrunken hatte, denn
es bedeutete eine neue Geschichte, etwas zu berichten in die Uniformität der
Sozial-Monotonie und der Verständnis-Exzesse, Polarisierung, Provokation, alles
schien so erfüllt, aber danach, danach kam nur das Erwachen hier und es war
dunkel und das Wasser kam aus der Leitung und ich hatte keinen Kohlefilter mehr
und ich konnte nicht mehr wählen und meine Sim-Karte war nicht mehr
funktionsfähig und so nahm ich Aspirin-Pulver und schluckte es schnell, so wie
früher die Ahoi-Brause. Ich rannte herunter. Auf die Straße, zu einem
7-11, ich kaufte noch einen großen Pocari und zwei Packungen HI-Chew,
Apfel-Geschmack. Wir hatten von 11 bis 15 Uhr gebraucht, dann wurde abgebaut
und wir gingen. Am Anfang hatte Hans noch nach dem Upper House am Nicholinis
Empfang gefragt, dann sagte ich ihm „Dude, we wanna go Nicholini’s“. Er war
also noch betrunken gewesen, aber wie konnte er nur, wie konnte er nur essen,
wieso hatte Kate, von dem Lanson Sparkling Juice animiert, plötzlich immer mehr
halbe Hummer geholt. Ich trank zum Schluss, Roederer, Oolong, Schokolade, Saft
und Wasser. Wir zahlten dann und waren begeistert, mit der Service Charge war
es im Grunde, als wenn man als Familienvater zum Italiener geht, nur ohne die
Kinder und die Italiener. Mein Cardholder war noch gefüllt und so stieg ich in
ein Taxi und wir fuhren an und ich wusste, dass wir bald aufbrechen würden und
einen Tag später saßen wir im Café Landmark und schauten auf all die Touristen
und dann begannen wir klein gerollte Stücken des Tod’s Verpackungspapiers auf
sie zu schmeißen, genau 133 mal.
Es war nach dem Beijing Club Exit gewesen. Kate und Hans
wurde herausgebeten. Heinrich und ich blieben noch. Aber nach zwei Belvedere
Tonic, weiteren Belvedere Tonic, und der Tatsache das Vancouver-Hong-Kong
bereits vergeben war, gingen wir und fuhren nach Causeway Bay. Doch vorher
standen wir noch vor einem 7-11 und tranken Pocari und da fingen zwei an zu
reden mit uns und wir redeten und wir redeten und sie boten uns Häagen-Dasz an
und ich holte den Rest Danzka raus und wir tranken und gingen los, warum war
eigentlich egal, 200m, an der Straßenecke, direkt vor Longchamp, küsste wir die
beiden, jeweils einzeln, und das volle Programm, wir wollten irgendwohin
fahren, doch sie mussten auf Toilette und ich schlug den McDonalds vor, als sie
wiederkamen von den Toiletten, blieben sie bei den Australiern, diese wurden
wütend, wir brüllten auf Kantonesisch und fuhren nach Causeway Bay. Sie kamen
aus Malaysia, aber das war uns nun egal, denn sie waren nur eine
Randerscheinung. Wir mussten noch nach Causeway Bay. Wir hatten eine
Reservierung im Nicholini’s.
Dienstag, 14. Februar 2012
Kiel Hauptbahnhof
She must have been like a delicate flower sometime long ago. I am not saying that all of it has faded, otherwise I would not have thought of a flower. But her hair seemed weak, gravitating towards nowhere, nothing but gravity on display. The colour seemed not to be the kind that, even when it was illuminated by the most beautiful light shining through the window, piece by piece, reveals itself in a subtle expression, but more like a hollow, translucent vessel that needed paint for too long. Yet her face was not even unfavourable from the base of its logic, it was rather symmetric and could have been a thoroughly aesthetic sparkle. But with her head moving forward and her words seeming to come from the neck, not from the transcendence of her experience, it all collapsed. It collapsed like the tower made of wooden bricks. So I saw the vulnerable landscape passing by.
Inter City Ultrabook
In der Scheibe spiegelte sich das Innere des Waggons. Jemand arbeitete. Pullover mit Reißverschluss, er arbeitet zwar, aber bezahlt sein ultrabook selbst. Ein anderer liest - er blickt nicht auf, er scheint seinen Kopf noch zu bewegen. Ansonsten ist der Waggon leer. Das regelmäßige Muster der Sitze, ein verblichenes Miniatur-Karo fordert die Resonanz heraus. Alles wird hier verstärkt. Er arbeitet intensiver. Er liest vertiefter. Der Waggon ist leerer. Der Arbeiter trägt das Haar in einer Welle nach hinten, er könnte der Archetyp des segelnden Hanseaten sein. Aber sein Pullover ist Orange, aus Baumwolle, mit kleinen Canvas Aufnähern an wichtigen Nähten. Sein Kragen ist weder weiß noch blau, er leuchtet und steht, er schreit nach Aufmerksamkeit, die keine ist. Diese alte Aktentasche bleibt nicht unbemerkt. Ein regelmäßiges Muster der unregelmäßigen Abnutzung, erinnert an das Bottega Veneta Flechtmuster, aber nur eindimensional. Eingetragen, abgearbeitet, passt sie doch zu diesem verblichenen Rosa, wie es nur fast schon ausrangierte Fernzüge erscheinen lassen können. Die elektronische Reservierungsanzeige ist nur das retardierende Moment einer Generation von Zügen, deren Privilegien doch längst vom HON-Circle aufgesaugt wurde. Stück für Stück vergossen der Glanz, wie das Urin, welches auf die Schienen tropft, während der Fahrt ohne Spitzen, immer der gleiche Weg auf der Schiene. Der Zug fährt weiter, er hat sich noch nicht amortisiert.
Mittwoch, 1. Februar 2012
Irgendwo im Sommer
Da fuhren wir wieder mit dem Fahrrad. Es war vielleicht eine Stunde her, dass wir losgefahren waren. Mittlerweile passierten wir wieder Häuser, die eindeutig noch dem real-existierendem Sozialismus entsprungen schienen. Die Bewohner waren, es schien durchaus aus der im Vorgarten zu beobachtenden Abfolge von Ereignissen deutlich, mit den Astras, Fabias und Multiplas, jeweils Neuwagen, alle ohne Satelliten-gestützte Navigationssysteme, zu den nah gelegenen Hagebau- und Praktikermärkten, vielleicht aber auch Obi, gefahren. Dann hatten sie gemeinsam mit ihren "köstlichen" - weil so herrlich bodenständig-leicht-vulgär-direkten - Nachbarn diese unglaublich schönen mediterranen Farben und Plastikübertöpfe gekauft, denn die Farben übertünchten den real-existierenden Sozialismus mit drei-komma-fünf-Sterne-all-inklusive Neckermann-Flair, wenn Rosamunde Pilcher einmal die Woche kam, dann sogar mit der Mondänität einer Finca. Die Übertöpfe wiederum waren so schön leicht und obwohl hier schon lange keine Palmen mehr wuchsen (der nahegelegende Flughafen mit seinen Emissionen war dafür verantwortlich), waren es doch die Eindrücke von den landestypischen Speisen am Hotelbuffet und dem "köstlichen" Animateur, die nun immer wieder aufblitzten, ja aufblitzen sollten, Neckermann schickte noch immer den jeweils aktuellen Katalog. Derweil hier also die Finca entstand und sich die ganze Familie zum türkischen Apfeltee, dem neuen Lieblingstee, traf, baute der ebenfalls bodenständige Nachbar das originale Shuffleboard aus dem Club nach, natürlich landestypisch in olivgrün. Während der Airbus A320 von LEJ aus abgehoben hatte, war bereits klar gewesen, dass der Boss-Wendegürtel aus dem Boardshop auf dem Rückweg gekauft werden musste. Zeitgleich war eine dash8-400 aus MUC gelandet, die Business Class Passagiere an Bord begannen gerade damit, ihre Kleidung aus der Garderobe entgegen zu nehmen, als der Nachbar sich im Airbus fragte, ob es wohl etwas zu essen geben würde. Er sollte nicht enttäuscht werden.
Während die einen malerten und die anderen mauerten, spielten die Söhne am Straßenrand und stellten gerade fest, das sie youPorn überhaupt nicht angetörnt hatte - weil Jungs eh viel cooler sind. Sie sahen es mit 20 noch genauso und sie mussten es wissen, denn das gemeinsame Appartment in der Stadt ließ nicht viel Platz für Geheimnisse. Sie hatten rausgemusst aus dem Kaff. In die Großsstadt, zu den weltoffenen Ed-Hardy-Trägern.
Während die einen malerten und die anderen mauerten, spielten die Söhne am Straßenrand und stellten gerade fest, das sie youPorn überhaupt nicht angetörnt hatte - weil Jungs eh viel cooler sind. Sie sahen es mit 20 noch genauso und sie mussten es wissen, denn das gemeinsame Appartment in der Stadt ließ nicht viel Platz für Geheimnisse. Sie hatten rausgemusst aus dem Kaff. In die Großsstadt, zu den weltoffenen Ed-Hardy-Trägern.
Abonnieren
Posts (Atom)