Da fuhren wir wieder mit dem Fahrrad. Es war vielleicht eine Stunde her, dass wir losgefahren waren. Mittlerweile passierten wir wieder Häuser, die eindeutig noch dem real-existierendem Sozialismus entsprungen schienen. Die Bewohner waren, es schien durchaus aus der im Vorgarten zu beobachtenden Abfolge von Ereignissen deutlich, mit den Astras, Fabias und Multiplas, jeweils Neuwagen, alle ohne Satelliten-gestützte Navigationssysteme, zu den nah gelegenen Hagebau- und Praktikermärkten, vielleicht aber auch Obi, gefahren. Dann hatten sie gemeinsam mit ihren "köstlichen" - weil so herrlich bodenständig-leicht-vulgär-direkten - Nachbarn diese unglaublich schönen mediterranen Farben und Plastikübertöpfe gekauft, denn die Farben übertünchten den real-existierenden Sozialismus mit drei-komma-fünf-Sterne-all-inklusive Neckermann-Flair, wenn Rosamunde Pilcher einmal die Woche kam, dann sogar mit der Mondänität einer Finca. Die Übertöpfe wiederum waren so schön leicht und obwohl hier schon lange keine Palmen mehr wuchsen (der nahegelegende Flughafen mit seinen Emissionen war dafür verantwortlich), waren es doch die Eindrücke von den landestypischen Speisen am Hotelbuffet und dem "köstlichen" Animateur, die nun immer wieder aufblitzten, ja aufblitzen sollten, Neckermann schickte noch immer den jeweils aktuellen Katalog. Derweil hier also die Finca entstand und sich die ganze Familie zum türkischen Apfeltee, dem neuen Lieblingstee, traf, baute der ebenfalls bodenständige Nachbar das originale Shuffleboard aus dem Club nach, natürlich landestypisch in olivgrün. Während der Airbus A320 von LEJ aus abgehoben hatte, war bereits klar gewesen, dass der Boss-Wendegürtel aus dem Boardshop auf dem Rückweg gekauft werden musste. Zeitgleich war eine dash8-400 aus MUC gelandet, die Business Class Passagiere an Bord begannen gerade damit, ihre Kleidung aus der Garderobe entgegen zu nehmen, als der Nachbar sich im Airbus fragte, ob es wohl etwas zu essen geben würde. Er sollte nicht enttäuscht werden.
Während die einen malerten und die anderen mauerten, spielten die Söhne am Straßenrand und stellten gerade fest, das sie youPorn überhaupt nicht angetörnt hatte - weil Jungs eh viel cooler sind. Sie sahen es mit 20 noch genauso und sie mussten es wissen, denn das gemeinsame Appartment in der Stadt ließ nicht viel Platz für Geheimnisse. Sie hatten rausgemusst aus dem Kaff. In die Großsstadt, zu den weltoffenen Ed-Hardy-Trägern.
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