Ich wachte auf. Ein Hochbett aus Holzlatten zusammen
gezimmert. Das Fenster war vergittert mit einem Carbon-Mangesium-Gemisch. Die
Wände bestanden aus Baumwollvorhängen, auf ihnen waren witzige Kindermuster
aufgedruckt. Ich blickte an mir herunter und sah auf die Bettwäsche: Ronald
McDonald grinste mir entgegen und er schien die dunkle Erinnerung zu sein. Dann
blickte ich auf meinen Cardholder, in goldenen Lettern stand darauf
geschrieben: „Rich girls don’t marry poor boys.“ – es steckte ein Egg McMuffin
Gutschein dahinter. Waren wir nun dagewesen? Ich nahm dann Magentropfen, es war
heiß, die Sonne unsichtbar, wir saßen in einem Gewächshaus. Dieses Gewächshaus
überspannte alles, das einzige Entkommen waren die Shopping Malls, denn in
ihnen herrschte ein anderes Lokalklima, kühl, es brachte einen dazu,
gleichzeitig Orlebar Brown Setter und Bottega Veneta Sweater kaufen zu wollen,
die perfekte Symbiose, der einzige sichere Ort.
Wir waren in einem McDonalds gewesen. Heinrich und ich waren zu einem
Supermarkt gegangen, aus Causeway Bay, Richtung Victoria Park, denn die Danzka Literflasche
war leer gewesen und ich konnte mich zwar kaum noch an den Weg erinnern, doch
das Verlangen nach mehr hatte den Coulombschen Würgreiz getunnelt, 200 Meter
vom Fashion Walk, wir waren also direkt in die Katastrophe gerannt. King Robert
II. wurde mit CC Lemon gemischt und ich zahlte den Egg McMuffin, anscheinend
mit Kreditkarte, was ich sehr witzig gefunden hatte. Dann ließ ich die
Kreditkarte am Schalter, wie Hermann damals im Club, als die nur Cash wollten,
dann ging ich kotzen, wie weiß ich nicht mehr, ich muss dort gehangen und
gekotzt haben. Aber komischerweise kehrt man betrunken immer zu diesen
Juso-Magneten zurück, man geht zu McDonalds, man will Indie-Clubs stürmen und
fragt sich dann, was man dort eigentlich soll. Aber man kauft dann einfach noch
einmal einen Old-Fashioned, was diese Drecksläden da manchmal zusammenschütten,
und irgendwie will man die Klassengesellschaft auch und man will sie, die
Ellbogen, denn graue Masse ist Durchschnitt. Es war ein Wunder, denn nüchtern
verlor ich meine Patek Philippe, in einem Taxi, einfach so, ich war in Eile.
Aber mit Krug verlor ich nichts, meine Kreditkarten waren stets noch da und
auch die Zimmerli Unterwäsche. Aber was soll man sich beschweren, denn am Ende
und das muss jedem klar sein, wache ich nur auf, weil ich am Nachmittag zu Bett
gegangen bin, denn wir haben alles gegeben und so konnte ich den Perrier-Jouet
Brunch im W im letzten Moment noch absagen, denn unser Wartelistenplatz im
Nicholini’s hatte uns nach oben gebracht. Ins Conrad. Wir waren nicht mehr
gezwungen Pinot Noir lastig zu verrecken, sondern konnten endlich anstoßen,
darauf, dass keiner Hunger hatte und das wir gekommen waren, die Reservierung
wahrzunehmen. Louis Roederer wurde ausgeschenkt, leider gab es keine Upgrade
Möglichkeit, denn Krug hätte uns besser getan, aber Free Flow war Free Flow. Wir
waren also dort gewesen. Kate in ihrem BH und einem Oberteil, sie hatte erst
kaum etwas gegessen, ich begann mit Cesar Salad und Sashimi, nur um zu
registrieren, dass Hans sich etwas angeeignet hatte, was ich vor langer Zeit
als zentrales Element meiner Persönlichkeit präsentiert hatte: Ich beginne
jeden Abend mit einem Gin Tonic. Er sprach nun davon und seine Unsicherheit
wurde immer deutlicher und wie fahrig er sich auf die Standards gestützt hatte,
doch nun hatten wir die gleiche Tom Ford Brille und so waren diese Gedanken
alle sekundär, er würde sowieso nie wieder reagieren, auf irgendeine Nachricht,
denn sein Inferioritätskomplex schien sich in den zwei Magnumflaschen zu
begründen, die ich zu mir nahm, denn ich hatte Durst. Dankend nahm ich die
Aspirin und die Zeit blieb stehen in diesem Restaurant, 18 Mal in Folge das
beste italienische der Stadt. Ich wünschte nur bis zum zweiten Schluck,
nüchtern gewesen zu sein, denn Roederer zählt eigentlich nicht, es handelt sich
um den neuen Orangensaft und Heinrich berichtete mir, wie glücklich er gewesen
war, ihn auf der Rechnung zu haben, auch wenn er nichts getrunken hatte, denn
es bedeutete eine neue Geschichte, etwas zu berichten in die Uniformität der
Sozial-Monotonie und der Verständnis-Exzesse, Polarisierung, Provokation, alles
schien so erfüllt, aber danach, danach kam nur das Erwachen hier und es war
dunkel und das Wasser kam aus der Leitung und ich hatte keinen Kohlefilter mehr
und ich konnte nicht mehr wählen und meine Sim-Karte war nicht mehr
funktionsfähig und so nahm ich Aspirin-Pulver und schluckte es schnell, so wie
früher die Ahoi-Brause. Ich rannte herunter. Auf die Straße, zu einem
7-11, ich kaufte noch einen großen Pocari und zwei Packungen HI-Chew,
Apfel-Geschmack. Wir hatten von 11 bis 15 Uhr gebraucht, dann wurde abgebaut
und wir gingen. Am Anfang hatte Hans noch nach dem Upper House am Nicholinis
Empfang gefragt, dann sagte ich ihm „Dude, we wanna go Nicholini’s“. Er war
also noch betrunken gewesen, aber wie konnte er nur, wie konnte er nur essen,
wieso hatte Kate, von dem Lanson Sparkling Juice animiert, plötzlich immer mehr
halbe Hummer geholt. Ich trank zum Schluss, Roederer, Oolong, Schokolade, Saft
und Wasser. Wir zahlten dann und waren begeistert, mit der Service Charge war
es im Grunde, als wenn man als Familienvater zum Italiener geht, nur ohne die
Kinder und die Italiener. Mein Cardholder war noch gefüllt und so stieg ich in
ein Taxi und wir fuhren an und ich wusste, dass wir bald aufbrechen würden und
einen Tag später saßen wir im Café Landmark und schauten auf all die Touristen
und dann begannen wir klein gerollte Stücken des Tod’s Verpackungspapiers auf
sie zu schmeißen, genau 133 mal.
Es war nach dem Beijing Club Exit gewesen. Kate und Hans
wurde herausgebeten. Heinrich und ich blieben noch. Aber nach zwei Belvedere
Tonic, weiteren Belvedere Tonic, und der Tatsache das Vancouver-Hong-Kong
bereits vergeben war, gingen wir und fuhren nach Causeway Bay. Doch vorher
standen wir noch vor einem 7-11 und tranken Pocari und da fingen zwei an zu
reden mit uns und wir redeten und wir redeten und sie boten uns Häagen-Dasz an
und ich holte den Rest Danzka raus und wir tranken und gingen los, warum war
eigentlich egal, 200m, an der Straßenecke, direkt vor Longchamp, küsste wir die
beiden, jeweils einzeln, und das volle Programm, wir wollten irgendwohin
fahren, doch sie mussten auf Toilette und ich schlug den McDonalds vor, als sie
wiederkamen von den Toiletten, blieben sie bei den Australiern, diese wurden
wütend, wir brüllten auf Kantonesisch und fuhren nach Causeway Bay. Sie kamen
aus Malaysia, aber das war uns nun egal, denn sie waren nur eine
Randerscheinung. Wir mussten noch nach Causeway Bay. Wir hatten eine
Reservierung im Nicholini’s.