Dienstag, 28. Februar 2012

Nicholini's - II


Ich wachte auf. Ein Hochbett aus Holzlatten zusammen gezimmert. Das Fenster war vergittert mit einem Carbon-Mangesium-Gemisch. Die Wände bestanden aus Baumwollvorhängen, auf ihnen waren witzige Kindermuster aufgedruckt. Ich blickte an mir herunter und sah auf die Bettwäsche: Ronald McDonald grinste mir entgegen und er schien die dunkle Erinnerung zu sein. Dann blickte ich auf meinen Cardholder, in goldenen Lettern stand darauf geschrieben: „Rich girls don’t marry poor boys.“ – es steckte ein Egg McMuffin Gutschein dahinter. Waren wir nun dagewesen? Ich nahm dann Magentropfen, es war heiß, die Sonne unsichtbar, wir saßen in einem Gewächshaus. Dieses Gewächshaus überspannte alles, das einzige Entkommen waren die Shopping Malls, denn in ihnen herrschte ein anderes Lokalklima, kühl, es brachte einen dazu, gleichzeitig Orlebar Brown Setter und Bottega Veneta Sweater kaufen zu wollen, die perfekte Symbiose, der einzige sichere Ort.  Wir waren in einem McDonalds gewesen. Heinrich und ich waren zu einem Supermarkt gegangen, aus Causeway Bay, Richtung Victoria Park, denn die Danzka Literflasche war leer gewesen und ich konnte mich zwar kaum noch an den Weg erinnern, doch das Verlangen nach mehr hatte den Coulombschen Würgreiz getunnelt, 200 Meter vom Fashion Walk, wir waren also direkt in die Katastrophe gerannt. King Robert II. wurde mit CC Lemon gemischt und ich zahlte den Egg McMuffin, anscheinend mit Kreditkarte, was ich sehr witzig gefunden hatte. Dann ließ ich die Kreditkarte am Schalter, wie Hermann damals im Club, als die nur Cash wollten, dann ging ich kotzen, wie weiß ich nicht mehr, ich muss dort gehangen und gekotzt haben. Aber komischerweise kehrt man betrunken immer zu diesen Juso-Magneten zurück, man geht zu McDonalds, man will Indie-Clubs stürmen und fragt sich dann, was man dort eigentlich soll. Aber man kauft dann einfach noch einmal einen Old-Fashioned, was diese Drecksläden da manchmal zusammenschütten, und irgendwie will man die Klassengesellschaft auch und man will sie, die Ellbogen, denn graue Masse ist Durchschnitt. Es war ein Wunder, denn nüchtern verlor ich meine Patek Philippe, in einem Taxi, einfach so, ich war in Eile. Aber mit Krug verlor ich nichts, meine Kreditkarten waren stets noch da und auch die Zimmerli Unterwäsche. Aber was soll man sich beschweren, denn am Ende und das muss jedem klar sein, wache ich nur auf, weil ich am Nachmittag zu Bett gegangen bin, denn wir haben alles gegeben und so konnte ich den Perrier-Jouet Brunch im W im letzten Moment noch absagen, denn unser Wartelistenplatz im Nicholini’s hatte uns nach oben gebracht. Ins Conrad. Wir waren nicht mehr gezwungen Pinot Noir lastig zu verrecken, sondern konnten endlich anstoßen, darauf, dass keiner Hunger hatte und das wir gekommen waren, die Reservierung wahrzunehmen. Louis Roederer wurde ausgeschenkt, leider gab es keine Upgrade Möglichkeit, denn Krug hätte uns besser getan, aber Free Flow war Free Flow. Wir waren also dort gewesen. Kate in ihrem BH und einem Oberteil, sie hatte erst kaum etwas gegessen, ich begann mit Cesar Salad und Sashimi, nur um zu registrieren, dass Hans sich etwas angeeignet hatte, was ich vor langer Zeit als zentrales Element meiner Persönlichkeit präsentiert hatte: Ich beginne jeden Abend mit einem Gin Tonic. Er sprach nun davon und seine Unsicherheit wurde immer deutlicher und wie fahrig er sich auf die Standards gestützt hatte, doch nun hatten wir die gleiche Tom Ford Brille und so waren diese Gedanken alle sekundär, er würde sowieso nie wieder reagieren, auf irgendeine Nachricht, denn sein Inferioritätskomplex schien sich in den zwei Magnumflaschen zu begründen, die ich zu mir nahm, denn ich hatte Durst. Dankend nahm ich die Aspirin und die Zeit blieb stehen in diesem Restaurant, 18 Mal in Folge das beste italienische der Stadt. Ich wünschte nur bis zum zweiten Schluck, nüchtern gewesen zu sein, denn Roederer zählt eigentlich nicht, es handelt sich um den neuen Orangensaft und Heinrich berichtete mir, wie glücklich er gewesen war, ihn auf der Rechnung zu haben, auch wenn er nichts getrunken hatte, denn es bedeutete eine neue Geschichte, etwas zu berichten in die Uniformität der Sozial-Monotonie und der Verständnis-Exzesse, Polarisierung, Provokation, alles schien so erfüllt, aber danach, danach kam nur das Erwachen hier und es war dunkel und das Wasser kam aus der Leitung und ich hatte keinen Kohlefilter mehr und ich konnte nicht mehr wählen und meine Sim-Karte war nicht mehr funktionsfähig und so nahm ich Aspirin-Pulver und schluckte es schnell, so wie früher die Ahoi-Brause.   Ich rannte herunter. Auf die Straße, zu einem 7-11, ich kaufte noch einen großen Pocari und zwei Packungen HI-Chew, Apfel-Geschmack. Wir hatten von 11 bis 15 Uhr gebraucht, dann wurde abgebaut und wir gingen. Am Anfang hatte Hans noch nach dem Upper House am Nicholinis Empfang gefragt, dann sagte ich ihm „Dude, we wanna go Nicholini’s“. Er war also noch betrunken gewesen, aber wie konnte er nur, wie konnte er nur essen, wieso hatte Kate, von dem Lanson Sparkling Juice animiert, plötzlich immer mehr halbe Hummer geholt. Ich trank zum Schluss, Roederer, Oolong, Schokolade, Saft und Wasser. Wir zahlten dann und waren begeistert, mit der Service Charge war es im Grunde, als wenn man als Familienvater zum Italiener geht, nur ohne die Kinder und die Italiener. Mein Cardholder war noch gefüllt und so stieg ich in ein Taxi und wir fuhren an und ich wusste, dass wir bald aufbrechen würden und einen Tag später saßen wir im Café Landmark und schauten auf all die Touristen und dann begannen wir klein gerollte Stücken des Tod’s Verpackungspapiers auf sie zu schmeißen, genau 133 mal.
Es war nach dem Beijing Club Exit gewesen. Kate und Hans wurde herausgebeten. Heinrich und ich blieben noch. Aber nach zwei Belvedere Tonic, weiteren Belvedere Tonic, und der Tatsache das Vancouver-Hong-Kong bereits vergeben war, gingen wir und fuhren nach Causeway Bay. Doch vorher standen wir noch vor einem 7-11 und tranken Pocari und da fingen zwei an zu reden mit uns und wir redeten und wir redeten und sie boten uns Häagen-Dasz an und ich holte den Rest Danzka raus und wir tranken und gingen los, warum war eigentlich egal, 200m, an der Straßenecke, direkt vor Longchamp, küsste wir die beiden, jeweils einzeln, und das volle Programm, wir wollten irgendwohin fahren, doch sie mussten auf Toilette und ich schlug den McDonalds vor, als sie wiederkamen von den Toiletten, blieben sie bei den Australiern, diese wurden wütend, wir brüllten auf Kantonesisch und fuhren nach Causeway Bay. Sie kamen aus Malaysia, aber das war uns nun egal, denn sie waren nur eine Randerscheinung. Wir mussten noch nach Causeway Bay. Wir hatten eine Reservierung im Nicholini’s.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen